Die meisten Thrash-Bands der 1980er versuchten, sich gegenseitig zu überholen. Voivod versuchte, der Schwerkraft zu entkommen. Ihre Riffs groovten nicht – sie schwankten. Die Rhythmen hämmerten nicht – sie stolperten. Und die Texte handelten von Aliens, nicht von Politik. Das war nie ein Karriereweg, der Sinn ergeben würde.
📋 Auf einen Blick
- Stil: Progressiver Thrash Metal
- Aktive Jahre: 1982–heute
- Herkunft: Jonquière, Quebec, Kanada
- Schlüsselära: 1987–1993 (Killing Technology bis The Outer Limits)
- Label: Metal Blade, Noise, Relapse
🎸 Was sie anders macht
Voivod begann als Thrash-Band, wurde aber schnell etwas anderes. Gitarrist Denis „Piggy" D'Amour schrieb Riffs, die klangen, als würde ein defekter Computer versuchen, Heavy Metal zu spielen. Die Rhythmussektion – Schlagzeuger Michel „Away" Langevin und Bassist Jean-Yves „Blacky" Thérialult – verfiel in ungerade Taktarten, die sich mehr wie Matheaufgaben als wie Grooves anfühlten. Sänger Denis „Snake" Bélanger lieferte alles in einem näselnden, fast roboterhaften Knurren. Sie waren in keinem Genre jemals wirklich zu Hause.
📜 Geschichte
1982 in Quebec gegründet, veröffentlichte Voivod drei rohe Thrash-Alben, bevor sie mit Killing Technology (1987) in Bestform kamen. Die nächsten drei Platten – Dimension Hatrőss, Nothingface und Angel Rat – führten sie in progressiveres und sogar psychedelisches Terrain. Nach Piggs Tod im Jahr 2005 führte die Band mit Gitarrist Daniel „Chewy" Mongrain weiter und veröffentlichte starke späte Alben wie The Wake (2018). Langevin war das einzige durchgehende Mitglied.
ℹ️Schlüsselfakt: Der Bandname stammt von einer Figur aus einem Comic, den Schlagzeuger Away erschuf.
😬 Die Gegenargumente
Voivods Seltsamkeit ist ein zweischneidiges Schwert. Ihre Platten aus der Mitte der 90er – Negatron und Phobos – verloren viel von der verspielten Experimentierfreude, die die früheren Werke interessant machte, und begnügten sich mit einem schwereren, aber weniger unverwechselbaren Sound. Angel Rat spaltete die Fans mit seinem sanfteren, fast alternativen Rock-Ansatz. Für Hörer, die geradlinigen Thrash wollen, fühlt sich Voivod an wie ein Puzzle mit zu vielen fehlenden Teilen.
🧊 Die Spannung: Außerirdische Logik vs. menschliche Emotion
Die Musik der Band wird oft als kalt oder mechanisch beschrieben. Piggs Riffs sind eckig, die Rhythmen kantig und die Science-Fiction-Themen halten alles auf Abstand. Aber darunter verbirgt sich ein überraschender emotionaler Kern. Die besten Voivod-Songs – wie „Nothingface" oder „The Unknown Knows" – bauen Spannung nicht durch Geschwindigkeit auf, sondern durch Atmosphäre. Die Kälte ist eine Hülle. Die Wärme kommt daher, wie sorgfältig die Teile zusammenpassen.
🎵 Piggs Gitarrensprache
Piggy D'Amour spielte Gitarre wie niemand sonst im Metal. Er vermied Powerchords und standardmäßige palm-muted Chugs, verwendete stattdessen offene Saiten, dissonante Intervalle und ungewöhnliche Fingerpositionen. Seine Riffs klangen oft, als würden sie ihre Form verlieren. Auf Dimension Hatrőss sind die Gitarrenparts fast arrhythmisch, aber das Schlagzeug verankert sich darum herum. Das Ergebnis ist Musik, die sich sowohl chaotisch als auch kontrolliert anfühlt. Es ist ein Stil, der oft nachgeahmt, aber nie erreicht wurde.
Ihre Riffs knatterten nicht – sie ruckten. Die Rhythmen hämmerten nicht – sie stolperten.
🌟 Warum sie wichtig sind
Voivod bewies, dass Thrash seltsam sein konnte, ohne ein Witz zu sein. Sie beeinflussten spätere Progressive-Metal-Bands – auch wenn nur wenige ihre spezifische Seltsamkeit erreichten. Ihr bestes Werk, von Killing Technology bis Nothingface, bleibt eine Blaupause dafür, wie man schwere Musik macht, die sich nicht an Regeln hält. Die späteren Alben, besonders The Wake, zeigen, dass die Formel immer noch funktioniert, wenn die richtigen Leute im Raum sind.
💡Hörtipp: Der beste Einstieg ist Nothingface – es ist das Album, auf dem ihre außerirdische Logik und menschliche Gefühle endlich perfekt ausbalanciert waren.
🤔 Kuriositäten
- ✅ Der Bandname stammt von einer Figur aus einem Comic, den Schlagzeuger Away erschaffen hat.
- ✅ Piggys Gitarre war auf einen offenen Akkord gestimmt, was zu seinem ungewöhnlichen Sound beitrug.
- ✅ Das Cover von Pink Floyds „Astronomy Domine“ wurde zu einem ihrer bekanntesten Tracks.
🔚 Eine letzte Sache
Voivod klang nie bequem. Das war der Punkt. In einem Genre, das auf Geschwindigkeit und Aggression aufbaut, wählten sie Unbeholfenheit und Intelligenz.
🎧 Essentielle Tracks
Rrröööaaarrr (1986 - Rrröööaaarrr)
Der Titeltrack fängt das frühe Voivod in seiner chaotischsten Form ein. Das Riff ist ein gezacktes, fast sinnloses Muster, das sich irgendwie in einen Groove auflöst. Es ist Thrash, aber nicht so, wie du ihn kennst.
Hören: Spotify · Apple Music · YouTube
Astronomy Domine (1989 - Nothingface)
Ein Cover von Pink Floyd, das zum Markenzeichen wurde. Voivod verwandelt die spacige Psychedelie des Originals in etwas Metallisches und Außerirdisches. Snakes Gesang ist besonders ungezügelt.
Hören: Spotify · Apple Music · YouTube
Nothingface (1989 - Nothingface)
Der Titeltrack ist der Höhepunkt ihrer experimentellen Phase. Das Riff ist dissonant, die Taktart wechselt ständig und der Song baut Spannung auf, ohne sie jemals vollständig zu entladen. Es ist beunruhigend und brillant.
Hören: Spotify · Apple Music · YouTube
The Unknown Knows (1991 – Angel Rat)
Einer ihrer zugänglichsten Songs, mit einer saubereren Produktion und einer konventionelleren Struktur. Er zeigt, dass Voivod einen Ohrwurm schreiben konnten, ohne ihre Identität zu verlieren.
Hören: Spotify · Apple Music · YouTube
The Wake (2018 – The Wake)
Ein Highlight der späteren Karriere, das beweist, dass die Band immer noch überraschen kann. Die Riffs sind so kantig wie eh und je, aber das Songwriting ist präziser. Es ist eine Erinnerung daran, dass Piggys Geist in Chewys Spiel weiterlebt.
Hören: Spotify · Apple Music · YouTube
📚 Verwandte Artikel
- Rush: Das Power-Trio, das Komplexität wie Pop wirken ließ – Wie Voivod machte Rush technische Präzision zugänglich und bewies, dass Komplexität Arenen rocken kann.
- King Crimson: Die Band, die sich neu erfand, indem sie gleich blieb – Eine weitere Band, die sich ständig weiterentwickelte und dennoch einen Kern bewahrte – perfekt für Fans von Voivods wandelbarem Katalog.
- Autechre: Das Duo, das Rhythmus unkenntlich machte – Wenn dich Voivods fremdartige Rhythmen faszinieren, treiben Autechres dekonstruierte Beats diese Seltsamkeit noch weiter.
Kommentare (0)
Kommentar hinterlassen
Schreiben Sie den ersten Kommentar!